via swiss medium beatrice brunner. Wilhelm - erste Erlebnisse einer Seele auf dem Sterbebette und im Jenseits. 20. August 1958, Wie das Erkennen von Fehlern des Erdenlehens und wahre Einsicht bei der geistigen Weiterentwicklung helfen. [Grussworte des Kontrollgeistes]. Wilhelm: Gott zum Gruss. Ich bin gebeten worden, zu euch zu sprechen, um von meinem Hinübertreten oder von meinem Sterben Schilderung zu geben. Ich durfte alt werden. Man sagte mir, es wäre Zeit, ich müsse sterben. Nun, ich hatte mich damit abgefunden; ich war zufrieden, denn ich war alt geworden. Meine Angehörigen standen um mich herum, und ich sah vielerlei Dinge. Ich sah meine Mutter und meinen Vater mir zuwinken, mir zulächeln, und sie machten zu mir die Bewegung, dass ich zu ihnen kommen soll. Ich freute mich über ihr gutes Aussehen, war zufrieden, und ich wollte ihnen sagen, dass ich komme. Dann sah ich eine andere Gestalt, sie war sehr schön und gestreng, ohne ein Lachen. Ich verstand es ja nicht so richtig und machte jeweils bei diesem Schauen meine Bemerkungen dazu. Und dann - ich weiss es noch genau - sagten meine Angehörigen: “Er fantasiert.” Doch ich habe nicht fantasiert, ich habe alles ganz deutlich gesehen. Danach sah ich einen Knaben. Vorwurfsvoll blickte er mich an. Ich erkannte ihn, es war ein Kollege von mir. “Aber der ist ja auch alt geworden, und er lebt noch”, dachte ich. “Warum muss ich ihn nun als Knaben sehen?” Das möchte ich euch erklären. Bald darauf hatte ich eine andere Schau darüber. Ich war körperlich so schwach und vermochte nicht viel zu reden, zu erklären; ich hatte nur meine Worte dazu gegeben. Eine alte Frau kam - ich kannte sie noch; ihr Gang war gebückt, sie hatte einen Stock und einen Korb. Nun sah ich, warum ich diesen Kollegen sehen musste: Jene Frau hatten wir die Hexenliesel genannt. Wir Buben waren ihr jeweils nachgerannt. und hatten ihr üble Namen nachgerufen. Ja, wir hatten uns der Steine bedient - oder was gerade auf der Strasse zu finden war - und damit nach ihr geworfen. Das hatte ich auch getan. Der Zusammenhang mit diesem Kollegen war so: Er war mit dabei, als ich mich dieser Übernamen bedient und Steine nach ihr geworfen hatte. Nun kam der Pfarrer von unserem Dorf dazu; er ging auf uns zu und erwischte als Ersten diesen Kollegen. Ich rief ihm nach, dass er die Steine geworfen und dass er ihr die Übernamen nachgerufen habe. Er bekam sehr gestrenge Züchtigungen vom Pfarrer und von seinen Eltern. Als wir uns wieder begegneten, da prügelte er mich durch, und nachher waren wir wieder gute Freunde. Dieses hatte ich eigentlich schon längst vergessen... Nun sah ich diese alte Frau und den Kameraden. Es war mir nicht recht, denn ich erkannte, dass ich gelogen hatte und dass er für mich bestraft worden war. Dann sah ich wiederum meine Eltern, die mir zuwinkten, und wieder diese gestrenge Gestalt neben mir. Die Eltern, die für mich zuerst noch weit entfernt gewesen waren, kamen sonderbarerweise immer näher. Nun sah ich Weiteres: Man hielt mir ein Schriftstück hin, das ich geschrieben hatte. Dieses Schriftstück - ich sah es - war wie mit Blut geschrieben, so rot. Dabei dachte ich: “Das stimmt ja gar nicht. Ich habe es wohl geschrieben, aber mit gewöhnlicher Tinte oder was man dazu verwendet hat, jedoch nicht mit Blut.” Und doch leuchtete dieser Brief oder dieser Zettel, der wie mit Blut beschrieben war. Nun kam das Weitere: Ich hatte einmal einem Nachbarn einen Brief geschrieben, ohne meine Unterschrift. Ich hatte ihn angeschuldigt und ihm nicht gerade die schönsten Namen geschrieben. Nun stand er plötzlich da und zeigte mit seiner Hand auf diesen Brief und auf mich. Jetzt blieb es kein Geheimnis mehr; er wusste also, ich hatte es geschrieben. Aber sonst hatte es ja niemand erfahren. Doch jetzt ahnte ich Schlimmes: Ich wusste, man sprach so viel vom Himmel, von Gott und von der Gerechtigkeit - und von der Vergeltung... Mir wurde angst: Jetzt kommt die Vergeltung. Und Weiteres sah ich. Noch einem begegnete ich, einem Nachbarn, den ich nie hatte leiden können, dem ich nichts zuliebe getan und den ich beschimpft hatte. Nun musste ich zusammen mit ihm mit ansehen und mithören, was ich über ihn gesprochen und zu wem ich was geredet hatte. Es war so, wie wenn die Zeit zurückgedreht worden wäre. Die Menschen, zu denen ich geredet hatte, waren da, und der Nachbar hörte zu. Er war Zeuge dessen, was ich gesagt, was ich gelogen und was ich nicht hätte sagen dürfen. Ich war beschämt. Er zeigte mit dem Finger auf mich. Ja, ich wusste es; ich hätte ihn so gerne um Verzeihung gebeten, aber ich hatte keine Kraft dazu, denn ich spürte so sehr, wie die Kräfte aus meinem Körper schwanden. Es war mir so sonderbar, dies alles zu sehen. Noch vielerlei Dinge begegneten mir. Ja mein ganzes Leben, ich möchte sagen, die bedeutenden Ereignisse aus meinem Leben, das spielte sich alles ab in der Zeit meines Scheidens. Das Sonderbarste war, dass es einfach kein Geheimnis gab. Was ich gemocht hätte, dass es ein Geheimnis bliebe, war den andern einfach bekannt. Sie standen da, sie hörten zu und sahen alles, was ich getan hatte. Und mir wurde angst. Dann aber kamen meine Eltern immer näher und näher. Und die strenge Gestalt, die neben mir stand, war plötzlich nicht allein, sondern es waren ihrer drei. Sie alle hielten ihre Hände aus nach mir, und ich gab ihnen die meinen. So konnte ich aus dem Leibe scheiden. So nahmen sie mich und führten mich weg vom Haus, von dieser irdischen Welt in eine andere Umgebung. Ich konnte nicht klar erkennen, noch nicht so klar sehen, wo ich war, wo ich mich befand. Doch es beruhigte mich, dass ich meine Mutter und meinen Vater neben mir sah. Nun aber musste ich wiederum dasselbe erleben. Was ich vorher gesehen und erlebt, spielte sich erneut ab. Ich sah wieder diesen Kameraden und die alte, gebrechliche Frau, der wir das Leben so schwer gemacht. Ich sah wiederum diesen Brief, der wie mit Blut beschrieben war. Sie alle standen da, sie alle, an denen ich mich verfehlt, sie in irgendeiner Weise belogen oder betrogen hatte, und sie richteten ihre Finger auf mich. Ich konnte nicht aufrecht stehen, noch konnte ich meinen Blick aufwärts richten. Ich fühlte mich ja so geschwächt von dieser Trennung und diesem Kampf. Doch man richtete mich auf, gab mir einen Trunk, und ich fühlte mich gestärkt. Es war mir noch immer ganz bewusst, dass ich das nun zum zweiten Mal erlebte. Aber ich dachte mir dann auch: “Man hat mein ganzes Leben hindurch doch immer von Gerechtigkeit und Liebe und vom verzeihenden Gott gesprochen.” Ich fand, so schlecht hätte ich doch nicht gelebt. Wo war denn das Gute? Oder durfte man das Gute, das man auch getan hatte, nicht sehen? Nichts von dem, was ich an Gutem getan hatte, durfte ich nun erleben, nicht das Geringste. Ich hatte doch auch Gutes getan, ich wusste es. Wo war nun die Vergeltung von diesem Guten? Und ich war betrübt. Dann sagte eine von diesen Gestalten zu mir: “Auch das Gute von dir findet die Belohnung.” Sie führten mich durch einen schmalen Weg, und es war mir, als öffnete man ein Tor. Ich kam in eine schöne Umgebung - die Atmosphäre war so beruhigend. Ich fühlte nicht mehr diese Angst in mir. Ich hatte den Eindruck, dass diese Umgebung, in die ich eintrat, so viel Frieden und Ruhe auf mich übertrage. Nun, hier wollte man mir die Vergeltung, die Belohnung kundtun vom Guten, das ich geleistet hatte. Ich sagte als Erstes: “Ich weiss doch auch, was ich getan.” Noch etwas eingeschüchtert von all dem andern war ich und sagte: “Ich habe doch den Eltern meiner Frau viel Gutes getan. Sie waren arme Leute, und ich habe sie in ein Haus überwiesen. Sie mussten nichts bezahlen, und ich gab ihnen dazu zwei Ziegen und zwei Schafe, und sie hatten zu leben. Ich hätte dies doch nicht tun müssen.” So hatte ich im Stillen auf die Vergeltung gehofft. Sie sahen, wie ich dachte, und erklärten mir: “Ja, das, was du in dieser Hinsicht getan hast, findet für dich auch die Vergeltung.” Sie zeigten mir ein kleines Haus mit einem kleinen Garten und erklärten, dass ich vorerst darin wohnen dürfe, dass das die Belohnung für das Gute sei. Nun, ich freute mich darüber und dachte, ob dann wohl alles andere schon erledigt wäre, ob ich nicht weiter bestraft würde. Ich war etwas unsicher; doch sah ich die friedlichen Gesichter um mich. Da stand plötzlich noch einer neben mir. Es war auch jemand, der in meiner nächsten Nähe gewohnt hatte. Sein halbes Leben hindurch war er blind gewesen. Ich war oft zu ihm hingegangen und hatte ihm manche Flasche Wein gebracht. Ich hatte ihn manchmal da- und dorthin geführt, weil man sich seiner zu wenig annahm. Ich ging oft zu ihm und erzählte, was ich gesehen, und erklärte ihm Dinge, an denen er Interesse hatte. Ich widmete mich ihm, und er freute sich immer, wenn ich zu ihm kam. Er sagte mir dann jeweils: “Wilhelm, ich kann dir nichts anbieten, doch der liebe Gott möge dir das belohnen, was du an Nächstenliebe mir entgegenbringst.” Nun sah ich ihn. Er begrüsste mich und sagte: “Sichst du, ich hatte es dir ja gesagt: ‘Der liebe Gott belohnt die Nächstenliebe. Ich staunte ja nicht darüber, und doch war es sonderbar: Er war so schön, und mit seinen Augen sah er genauso gut wie ich. Ich freute mich, ihn zu sehen, und ich freute mich, dass man das doch anerkannt hatte und dass ich nun für diese Nächstenliebe belohnt wurde. Ja, ich wurde immer freier und froher. Ich erkannte jetzt: Zuerst hatte man mir das Unrecht vorgeführt, und es gibt kein Entweichen, für keine Dinge, für keine Lüge, für gar nichts - alles ist offenbar. Und die man belogen oder irgendwie betrogen hat, stehen da, und sie zeigen mit dem Finger auf einen und sagen: “Ja, siehst du, ich habe es gesehen, und ich weiss, dass du es warst.” Ich begegnete noch einem anderen; es war noch einer da, dem ich auch sehr viel gegeben hatte. Es mangelte ihm am täglichen Brot, und ich hatte Mitleid mit ihm, denn wir waren ja auch miteinander gross geworden. Er fand sich im Leben nicht so zurecht; es ging ihm nicht so gut, er war viel krank. Und so habe ich ihm geholfen und ihm gegeben, wo ich nur konnte. Das hatte ich eigentlich im Stillen gemacht; ich habe niemandem etwas davon gesagt - auch nicht meiner Familie. Ich hatte die Möglichkeit und diese Selbständigkeit, das in der Weise zu tun. Jetzt kam er eilends hin, um sich bei mir dafür zu bedanken. Ich freute mich natürlich. Plötzlich sah ich, dass nicht nur meine Eltern da waren und diese schönen Gestalten, die mich hierher begleitet hatten, sondern es war eine ganze Schar von Geistern da. Es waren viele, die ich aus dem Leben kannte und mit denen ich zusammen gelebt hatte. Die einen kamen sogar eilends hin mit der Bemerkung: “Nur schnell, nur schnell - ich kann nicht lange verweilen, ich will ihn nur begrüssen.” Und so eilte es, und ich musste diesen und jenen begrüssen. Sie umarmten mich, freuten sich und wünschten mir alles Schöne nun im Himmelreich. Ja, da waren sie, all jene, mit denen ich mich gut verstanden hatte. Dann forderte man sie auf, sich wieder von mir zu trennen. Sie mussten sich wieder von mir verabschieden. So stand ich nun alleine mit diesen dreien, die mich vom Erdenreiche hinübergeleitet hatten. Sie sagten mir: “Siehst du, das Gute durftest du auch erleben. Es war so schön, dass sie kommen durften, um sich bei dir zu bedanken. Wir haben uns reichlich gefreut. Du hast ja auch eingesehen, was du falsch gemacht hast, und du hast auch eingesehen, dass es im geistigen Reiche nichts gibt, was man verheimlichen könnte. All jene kommen, die man beschuldigt hat. Es ist alles offen und klar; es gibt kein Leugnen - nichts. Die Tat, die man beging, wird gerade vorgeführt, und der andere sieht es.” Ich fragte dann, was ich nun wohl tun könnte, denn ich hätte ja die Einsicht dafür, dass ich das nicht hätte tun dürfen. Und ich hätte all diese Dinge doch in meinen jüngeren Lebensjahren getan; als ich älter und reifer geworden sei, hätte ich diese Dinge ja nicht mehr getan. Sie sagten mir: “Sichst du, du sollst die Belohnung erhalten für all das, was du an Gutem getan. Du kannst dich jetzt für eine längere Zeit in diesem kleinen Häuschen ausruhen. Du bist aber ganz allein, und du wirst keine Besuche erhalten. Dein Garten ist nicht gerade gross, aber du hast die Möglichkeit, weit umherzugehen. Aber du bist allein, und da hast du Gelegenheit, über all das nachzudenken: über dein gelebtes Leben und was du dir denkst, wie du dir das Zukünftige oder die nähere Zukunft gestalten möchtest.” Darauf verliessen sie mich. Ich möchte betonen: Ich habe mich sehr gefreut über dieses kleine Haus, das so schön war, und über diesen Garten. Ich habe im Garten gearbeitet, aber ich war nicht zufrieden, denn ich war alleine und konnte mit niemandem sprechen. So bat ich darum, dass ich davon befreit und erlöst würde; ich möchte lieber irgendwo anders leben und unter härteren Bedingungen wirken als hier. Ich dachte nach: “Ich bin so vielen begegnet; wo wohnen sie?” Ich dachte über Gott nach und über all das, was in der Religion gesprochen wurde. Und ich bat darum, man möge mich von hier befreien und mir den Weg zeigen. Von mir aus wünschte ich, mich nun in den Dienst des Nächsten zu stellen, etwas zu tun, womit ich andere erfreuen konnte. Und wie mehr ich mich so damit beschäftigte und es mir wünschte, kamen diese drei wieder zu mir und freuten sich, dass ich auf solche Gedanken gekommen sei. Sie würden mir nun Vorschläge machen. Sie sagten, durch diese Einsamkeit hätte ich auch einen Teil vom Unrecht, vom Straucheln des Lebens, abgetragen. Aber alles wäre noch nicht gutgemacht. Einen weiteren Teil sollte ich nun durch die Arbeit, die ich zu leisten hätte, gutmachen. Ich könnte so von meiner Schuld abverdienen. Ein anderer Teil würde mir dann noch im zukünftigen Erdenleben auferlegt werden. Man klärte mich auf, dass ich wieder ins Erdenreich kehren müsste. Dann hätte ich noch einen geringen Teil jener Schulden als Mensch abzutragen. Sie erklärten mir auch, dass es ganz darauf ankomme, wie ich mich einsetze in dieser Arbeit, die sie mir zuweisen würden. Sie sagten mir, dass es nicht genüge, einfach nur zu schaffen, sondern ich würde entsprechend auch geistige Belehrungen erhalten und geschult werden. Durch Schulen sollte ich gehen, und meine Aufgaben müsste ich erfüllen. Ja man gab mir Hefte oder Bücher in die Hand, und ich musste darin von dem Gesagten und Erklärten meine Aufzeichnungen machen. Ich musste schreiben - ja, schreiben -, denn ich hätte es nicht behalten können, ich hätte es wieder vergessen. So habe ich es aufgeschrieben und eifrig gelernt. Durch verschiedene Schulen bin ich gegangen, und ich habe mich gefreut. Nach einer gewissen Zeit kamen sie dann wieder und sagten, dass nun mein Wissen für meine Aufgaben ausreiche. Ich müsste jetzt in den praktischen Arbeitsdienst kommen und dort anwenden, was ich nun gelernt hätte. So tat ich es. Man führte mich in die verschiedensten Sphären. Ich hatte mit Geistern Gottes zu arbeiten, mein Interesse zu zeigen. Als ich sah, wie diese erhabenen und schönen Wesen des Himmels sich einsetzten und es für notwendig hielten, so zu wirken, fand ich, dass es auch an mir wäre, das Äusserste herzugeben und so zu wirken. Zwischendurch erzählten sie mir von Gott. Sie legten mir dar, welche Stufen ich erreichen könnte, um dieses und jenes zu erleben. Ich hatte den Eifer dafür, und ich sagte auch: “Gut, ich arbeite zur Ehre Gottes. Ich will alles auf mich nehmen und arbeiten zur Ehre Gottes und auch zu meinem Heil und zum Heile aller meiner Geschwister.” So bin ich in diesem Arbeitsplan eingesetzt. Einmal wirke ich in einer etwas höheren Ebene, und einmal muss ich wie der tiefer hinuntersteigen. Die Geister, die sich meiner angenommen haben und mir diese Belehrungen gaben, kommen alle aus einer ganz bestimmten Sphäre. Sie haben mir angedeutet, dass ich in ihrem Bereiche wirken könnte, dass sie mich aufnehmen würden in eine Gemeinschaft. Durch diese Aufnahme würde der Eifer grösser, und man könnte dadurch die göttliche Liebe und seine Weisheit eher erfassen, da man von den Geistern des Himmels zusätzliche Belehrungen bekommen würde. Wenn man dann seine Aufgabe erfülle und im vollsten Einsatz wäre, würde das seine Belohnung nach sich ziehen. Es gibt jedoch auch Geister, die wünschen nicht, so zu wirken, oder sie haben überhaupt diesen Eifer nicht. Ich wurde darum gebeten, euch dieses zu sagen. Es ist mir noch ganz gewiss in Erinnerung, denn es ist nicht ausgelöscht - diese Bilder sind lebendig. Wie man mir erklärt, werden solche Bilder an Leuchtkraft verlieren und unbedeutend werden, wenn man seinen Einsatz im Menschenleben zur Ehre Gottes und zum Heile des Menschen getätigt hat. Es würde dann nur solches in seiner Leuchtkraft stehen; alles andere würde unwichtig bleiben, zwar nicht erlöschen, aber doch unleserlich oder unkenntlich werden. Genauso verhält es sich mit den Geistwesen, die man wieder sieht und die mitgekommen sind. Wenn ihr heute ein Bild von irgendeinem Geschehen habt und nach vielen, vielen Jahren zeigt ihr dieses Bild einem andern Menschen, so wird er sich kaum daran erinnern. Einerseits ist das Geschehen da, andererseits aber in seiner Leuchtkraft schwach. Den andern, die mitbeteiligt waren, gehen mit dem Aufstieg jene Geschehnisse langsam, langsam vergessen; vergessen gehen sie für sie persönlich, nicht aber im ganzen Geschehen - im Ganzen bleiben sie bestehen. Nun ziehe ich mich wieder zurück, denn neben mir wartet der Bruder, der immer zu euch spricht. Diese Worte und diese Erklärungen sollte ich euch geben, auf dass ihr über euch nachdenkt und ihr euch klar werdet über alles. Was ihr glaubt, es wäre ein Geheimnis - im Geistigen ist alles da. Wenn man lügt und betrügt - im geistigen Reiche ist es da, und es ist alles klar und bewiesen. Dann schämt man sich wirklich... So, gute Freunde, ich wünsche euch Gottes Kraft, damit ihr überwinden und erkennen könnt, welchen Weg ihr gehen müsst; damit ihr schon frühzeitig reif werdet und nicht erst, wenn ihr alt geworden seid. Gott segne euch. Gott zum Gruss. Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Freunde, ich versuche die Fragen, die ihr habt, so gut wie möglich zu beantworten. Lieber Freund Josef, wie lautet der Name, den dieser Freund, der uns seinen Erlebnisbericht schilderte, auf Erden trug? Josef: Wilhelm. Danke. Dann möchte ich noch fragen: Wenn man einem Menschen vergeben hat, vergessen will und manchmal auch tatsächlich ganz vergisst, was er einem angetan hat, wird es ihm dann trotzdem vorgeführt? Josef: Wenn es seinem Seelenheile dient oder auch, ich möchte sagen, als Strafe kann ihm dieses Geschehen vorübergehend vorgeführt werden. Man wird dann aber - ich möchte sagen - nicht mit den Händen auf ihn zeigen oder nach ihm greifen - man wird vielmehr verzeihend neben ihm stehen. Danke, lieber Freund. Es würde Menschen sicher interessieren, wie solche Jugendsünden bereits im Erdenleben gutgemacht werden können. Josef: Ich möchte euch dafür eine Erklärung geben. Hat man Unrecht begangen und ist man einsichtslos - zeigt also keine Einsicht oder keine Reue -, wird man solches im geistigen Reiche wieder erleben. Anders verhält es sich mit Dingen, die unter den Menschen bereinigt worden sind. Sie werden kaum noch im geistigen Reiche vorgeführt werden. Man wird einander begegnen, aber in der Weise ohne irgendwelchen Schatten von Betrübnis. Christus hat ja selbst gesagt: “Bevor ihr hingehen und ein Opfer bringen wollt, geht hin zum Nächsten und bereinigt eure Schuld; vergebt zuerst untereinander”. (Vergleich Matheus, 5, 23-25). Dieses Vergeben muss eben wirklich von innen heraus kommen. Es ist sehr oft bei den Menschen so, dass sie einem Mitmenschen etwas vergeben oder behaupten, sie hätten ihm vergeben, doch sprechen sie noch jahrelang darüber. Das ist eben kein Vergeben. Wenn man einem Menschen vergibt, so soll es ausgelöscht sein. Man soll dann auch nicht mehr darüber sprechen. Wenn man immer wieder über das Vergangene spricht, ist man damit innerlich noch nicht fertig. Man ist dann nicht verzeihend auf ihn ausgerichtet, und es ist noch nicht in Ordnung. Lieber Freund Josef, was dieses Verzeihen betrifft, so wird noch eine Methode empfohlen. Bei der abendlichen Rückschau, die du uns nahegelegt hast, sollte man über solche Dinge nachdenken und starke Reue empfinden - das würde dann reinigend wirken. Kannst du das bestätigen? Josef: Ja, das kann ich sehr bestätigen. Weisst du, wir kennen die Menschen so: Sie legen sich nieder, beten zum lieben Gott, und der grösste Teil von ihnen findet, es wäre alles in Ordnung, was sie tagsüber getan haben. Sie finden gar keine Fehler an sich, und so können sie nicht besondere Reue empfinden. Die Menschen tun ja so viel Unrecht, aber sie sehen nicht ein, was sie an Unrecht getan haben. Daher kann ihnen dieses auch nicht vergeben werden. Ein Mensch aber, der geistig auf einer gehobenen Stufe steht, der es mit sich sehr genau und gewissenhaft nimmt, überlegt, was er tagsüber gesprochen hat, wer ihm begegnet ist und ob er durch irgendeine Redeweise Unfrieden oder Betrübnis und Ähnliches verbreitet hat. Ein solcher Mensch kommt dann zur Einsicht und bittet Gott um Vergebung für dieses Straucheln. Es ist ja so: Viele Menschen sehen eben die Fehler, die sie haben, nicht ein. Es braucht hier eine gewisse geistige Gehobenheit, bis es so weit ist, dass man seine eigenen Fehler sieht und sie zugibt. Danke, lieber Freund. Dann haben wir noch gehört, dass dieser Wilhelm in der Geisteswelt weiter studiert hat. Man hat ihm Bücher und Hefte gegeben. Ist das Gedächtnis dieser Seele noch nicht vollkommen? Josef: Nein, es ist nicht vollkommen. Bedenkt, wenn eine Seele noch nicht allzu lange im Geisterreiche ist, ist es nicht so, dass ihr in der Weise alles anschaulich gemacht wird. Die betreffende Seele muss diese Dinge, die ihr von den höheren Geistern übertragen wurden beziehungsweise über die sie belehrt wurde, durch und durch bekommen, um zur Erkenntnis zu gelangen. Erst wenn die Seele einen gewissen Entwicklungsgrad erreicht hat oder auf einer bestimmten Stufe angelangt ist, liegen diese Dinge für sie zur Ergänzung [ihres Wissens] offenbar. Ihr könnt es vielleicht nicht verstehen, aber im Geistigen ist es eben so, dass nicht alle Wesenheiten dieselbe Intelligenz besitzen; dass aber diejenigen, die nicht so intelligent sind, wie ich schon öfters betonte, zu einer anderen Arbeit herangezogen werden, die genauso wichtig ist. Sie sind mit dieser Arbeit zufrieden, weil sie einsehen, dass sie genauso notwendig ist wie jene eines anderen Bruders - der Bruder auf der oberen Stufe verachtet ihn deshalb nicht. Sie sind ja alle eingereiht in Plänen in grosse Gemeinschaften, wo sie zusammen dieselbe Arbeit vollbringen. Sie sind glücklich in ihrer Arbeit, obwohl es doch für jene ein Stein des Anstosses sein könnte, weil sie wissen: “Ich weiss, ich kann mehr leisten, bin aber nun zu einer solch niederen Arbeit verurteilt.” Der Bruder bejaht diese Verurteilung in der Zeit seiner Läuterung, sagen wir, gewisse Jahre hindurch; er wird vieles auf sich zu nehmen haben. In seinem Aufstieg erkennt er jedoch, dass er trotz seiner Last, die er abzutragen hat, anderes erfüllen könnte, um dem Höheren zu dienen. Die Geisteswelt hat es in der Weise wunderbar eingeteilt, dass sie jeden erfassen kann und ihn da hineinspielt, wo er das Äusserste an Kraft hergeben kann. Lieber Josef, wie wertet die geistige Welt Grausamkeiten, die Kinder begehen, wenn sie Tiere quälen, daran Freude haben und sich dabei nichts Besonderes denken? Josef: Es ist bei den Kindern so - ich hatte auch schon Erklärungen gegeben -, dass sie mit den Jahren in eine bestimmte Verantwortung hineinkommen. Wenn solche Kleinkinder nun Tiere quälen, so ist dies der niedere Drang, der in ihnen ist. Durch die Erziehung 92 müssen diese niederen Triebe unterdrückt werden. Das Kind wird dann langsam zur Erkenntnis kommen, dass es das lassen muss - es wird mit der Zeit vernünftiger, und dementsprechend vermag es dann das einzusehen. Dann kommt es natürlich noch auf seine ganze Wesensart an: Das eine neigt dazu, Freude zu haben, andere zu quälen, oder sagen wir in dem Falle, ein Tier zu quälen. Aber auch das kann durch die Erziehung unterdrückt oder überbrückt werden. Auch die Geisteswelt reiht die Kinder entsprechend in solche Stufen, Entwicklungsstufen, ein: So können die Kinder bis zu bestimmten Jahren einer Tat wegen nicht bestraft werden; dann aber, bis zu bestimmten Jahren, werden sie zu einem Teil belangt. Und danach, wenn sie, wie ihr sagt, die Volljährigkeit erlangt haben, zeichnet sie die Geisteswelt als für all ihr Tun verantwortlich. Im Falle von Wilhelm wäre er als Schulknabe bereits in einem Alter gewesen, in dem schon eine gewisse Verantwortlichkeit bestanden hatte? Josef: Ja. Erlebnisbericht des aufsteigenden Geistwesens Wilhelm und Fragebeantwortung von Geistlehrer Josef durch Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich Vorlage: Tonbandaufzeichnung 93 1. Oktober 1958 Pio - Unterschiede zwischen irdischem und geistigem Ansehen Wiedersehen mit dem Pfarrer und dem Doktor aus dem Dorfe [Grussworte des Kontrollgeistes] Pio: Gott zum Gruss. Ich wurde aufgefordert, zu euch zu sprechen. Vielleicht kann ich es nicht so gut. Na, ich versuche es. Man gibt mir Kraft und sagt mir auch manchmal das richtige Wort. Ich hatte ein hartes Leben gehabt und musste für viele sorgen. Aber ich hielt es für selbstverständlich, dass es für mich so hart war. Ich sah nämlich, dass auch meine Eltern ein solch hartes Leben gehabt hatten, und vielen Nachbarn und Bekannten erging es ebenso. Ich fand es ganz in Ordnung. Ich hatte meine Pflicht getan; ich hatte versucht, viel zu arbeiten, um etwas zu verdienen, damit meine Familie genug zu essen hatte. Nun, ich bin dann ins geistige Reich gekommen, und ich war überrascht. Man tat mir so viel Ehre an, und ich wollte diese grosse Ehre nicht annehmen. Ich glaubte, ich hätte es nicht verdient, denn ich fand es für selbstverständlich, so viel für seine Familie zu tun. Nun aber gab man mir schöne Kleider und sagte mir: “Du hattest ein hartes Leben, und jetzt wirst du es leichter haben; du hast es jetzt schön, du bist jetzt im Himmelreich, und es geht dir gut.” Ich ging dann mit schönen Engelwesen und besuchte einige Schulen. Man führte mich in schöne Gebäude und klärte mich über vieles auf. Natürlich hatte ich Freude an all dem. Man zeigte mir dann auch mein schönes Haus, das ich bald in Besitz nehmen durfte, und ich freute mich an ihm und an der ganzen Umgebung. Dann aber sagte man mir: “Du musst jetzt deine Freunde und Bekannten abholen, die mit dir zusammen gelebt haben. Zuerst musst du den Pfarrer deiner Gemeinde abholen.” Noch während der Pfarrer lebte, erklärte man mir alles über sein Leben. Natürlich wusste ich schon vieles davon, denn ich hatte ja nicht weit von ihm entfernt 94 Erlebnisberichte 1958-1959 gewohnt; aber alles wusste ich nicht. Man begleitete mich zu ihm hin und blätterte wie in einem Buch. Man erklärte mir genau alles von seinem Leben und deutete mir dann an, was ich besonders hervorzuheben hätte. Ich musste mir dieses genau betrachten, und ich musste genau wissen, wie ich ihm begegnen durfte und wohin ich ihn führen musste. Diese höheren Wesen würden in meiner Nähe stehen, aber der Pfarrer würde sie nicht sehen können. Man sagte mir, es würde genügen, wenn ich ihn abhole und an seinen Ort in der geistigen Welt hinbegleite. Gut, ich ging zu ihm hin. Schon viele Wochen, bevor er so schwer krank war, war ich sehr nahe bei ihm und habe alles beobachtet. Ich war dann auch an seinem Sterbebett und war bereit, ihn entgegenzunehmen, um ihn in die geistige Welt zu führen. Hinter mir standen seine Eltern, seine Geschwister. Aber sie durften nicht reden, sie konnten ihm nur zuwinken, zulächeln; aber reden durften sie nicht, reden sollte ich. Das tat ich in folgender Weise: Ich begrüsste ihn und erklärte ihm: “So, jetzt kommst du ins Jenseits.” Er war erstaunt, dass ausgerechnet ich, Pio, ihn begrüsste. Er wollte meine Begleitung nicht annehmen und mir nicht zuhören. Ich wusste genau, er erwartete eine bessere, höhere Gesellschaft. Ich habe mich dann auch etwas entschuldigt bei ihm und gesagt, es würde mir leidtun, dass nicht andere, Höhere, ihn nun begleiten und Anweisungen geben würden, aber es sei eben jetzt meine Aufgabe, und ich sei eben nicht mehr dieser arme Pio, von dem er jeweils geredet hätte. Er war etwas widerwillig, und es widerstrebte ihm, meine Begleitung anzunehmen. Ich sagte, dass es ihm nichts helfe, ich würde ihn jetzt führen. Dann, als er immer noch nicht so mit mir einverstanden war - denn er hatte immer noch eine gewisse Abneigung gegen mich, und ich fühlte genau, er hatte erwartet, dass man ihm besondere Ehre antue -, sagte ich ihm: “Ja weisst du, du hast vieles falsch gemacht in deinem Leben. Du hast Gelder bekommen, und du hättest sie den Armen geben sollen; diese Gelder sind dir ausdrücklich mit dem Wunsch abgegeben worden, dass du sie für die Armen verwendest. Was hast du gemacht mit diesem Geld? Du hast für dich Wein gekauft. Wenn du von diesem Wein noch den Armen gegeben Pio, 1. Oktober 1958 95 hättest, hätten wir das entschuldigt. Dem armen Pietro, der ganz nahe bei dir wohnte und so schwer krank war, dem hast du nichts gegeben. Dem Vincenzo, der auch nicht weit von dir weg war, dem hast du auch nichts gegeben.” Und ich sagte ihm weiter: “Du hattest einen Garten mit viel Gemüse und viel Obst. Die Engel des Himmels und der Heiland, den du stets so gepriesen, hätten erwartet, dass du von dem Überfluss den Armen gegeben hättest.” Er hat es nicht getan; er hat es verkauft. Das musste ich ihm sagen, und er staunte, dass ich darüber Bescheid wusste, dass ich all diese Dinge kannte. Ich wusste noch viele andere Dinge mehr, und ich sagte ihm, dass noch vieles sei, wo er sich verschuldet hätte. Dann wollte er wissen, warum ich denn das Recht hätte, dies ihm zu sagen; er würde es doch begrüssen oder verlangen, dass die Engel des Himmels mit ihm reden würden. Ich antwortete ihm: “Ich gehöre auch zu den Engeln des Himmels, und es ist meine Aufgabe, dir das zu sagen.” So forderte ich ihn auf mitzukommen, und ich führte ihn in ein geistiges Dorf hinein. Er durfte kein eigenes Haus bewohnen; er sollte mit vielen andern Zusammenleben. Ich führte ihn dahin, und er bewunderte mich, ich würde so gut aussehen, dabei sei ich doch der arme Pio gewesen; er könne es nicht glauben, dass ich so schön wäre, denn ich wäre ja so wenig zur Kirche gegangen, und er habe doch so viel gebetet und vom Heiland erzählt. Dann sagte ich ihm: “Ja weisst du, du hast viel gebetet und viel vom Heiland erzählt; du hast den andern gesagt, wie man leben muss, aber du selbst hast nicht danach gelebt. Du hast vom Heiland geredet, aber du selbst hast nicht nach seinen Gesetzen gelebt. Du kannst nicht erwarten, dass er dich belohnt, sondern du musst alles gutmachen.” Er war entrüstet. Und ich sagte ihm, dass es ihm nichts helfe, dass er eben zur Einsicht kommen müsse, dass, wer auf Erden ein Ansehen gehabt, es dann in der anderen Welt oftmals nicht mehr habe und dass die, denen man keine Aufmerksamkeit geschenkt habe, dann in der geistigen Welt eben mit bestimmter Aufmerksamkeit beschenkt würden. So begleitete ich ihn da in dieser Gemeinde, wo er zu leben hatte. Er fand auch Bekannte, für die er ja gebetet hatte und zu denen er gegangen war, wenn sie krank waren. Diese waren etwas überrascht, dass der Pfarrer auch da war, dass er nicht in einer schöneren 96 Erlebnisberichte 1958-1959 Welt wohnen durfte. Aber darüber möchte ich jetzt nicht reden. Er hatte zu bleiben, wo ich ihn hinführte. Man hatte es mir ja genau gesagt, wo ich ihn hinzuführen hätte. Dann kamen die Engel wieder zu mir und sagten: “Pio, jetzt wird es Zeit, jetzt musst du den ‘Doktor’ holen”, wie wir ihm sagten. “Du musst ihn jetzt führen.” Ich musste auch sein Lebensbuch genau betrachten. Ich kannte ihn ja auch; ich wusste, wie er gelebt hatte, aber ich wusste nicht alles. So hat man mir dann genau erklärt, was ich ihm zu sagen hätte. Es war dann auch so weit gekommen, dass ich ihm gegenüberstehen durfte. Ich begrüsste ihn, umarmte ihn und sagte: “Ich freue mich, Doktor, dass du hier bist. Du musst entschuldigen, ich war ja der arme Pio, aber jetzt bin ich nicht mehr arm; du siehst, ich bin ganz reich, so reich wie du, und ich habe die Aufgabe, dich in dein Haus zu führen.” Dann sagte ich ihm etwas aus seinem Leben: “Ja, weisst du, du hast mir, als ich krank war, manche Medizin umsonst gegeben. Und, weisst, du bekommst den Lohn dafür, dass du zu jener Frau gingst - zu Maria, die so viele Kinder hatte und deren Mann so früh weggestorben war - und ihr und ihren Kindern geholfen und auch Medizin gebracht hast, ohne Geld von ihnen zu nehmen. Ich weiss auch, dass du deine Frau zu den armen Leuten gesandt hast; sie musste dort Wache halten, und sie musste ihnen Essen und Kleider bringen.” - “Ach”, sagte er, “darüber spricht man nicht, Pio, du musst nicht darüber reden, das ist ja selbstverständlich, dass ich das gemacht habe.” Dann habe ich ihm ausdrücklich gesagt: “Nein, das ist nicht ganz selbstverständlich. Weisst du, es ist nicht lange her, da habe ich auch den Pfarrer begleitet, und ich habe ihm sagen müssen, dass er mit dem Geld, das er für die Armen bekommen hat, für sich Wein gekauft hat und dass er von seinem Obst, statt es den Armen zu schenken, verkauft hat. Und bei dir darf ich nun sagen, dass du so viel getan und kein Geld angenommen hast und dass es dir gutgeschrieben ist, was alles du und deine Frau getan haben.” Nun, er sah recht ordentlich und schön aus, dieser Doktor. Er hatte ein schönes Gewand an; es war anders als sein Gewand, das er als Mensch getragen hatte; es hatte andere Linien und andere Farben. Ich fand es sehr schön, und wir haben uns so gegenseitig betrachtet und verglichen und gefunden, dass wir beide ein gutes. Wilhelm, 20. August 1958. aus Erlebnisberichte 1958-1959, internet, glz.org